Der Sonntag ist der Tag der Abrechnung
Den Schwung von Rudolstadt will Wismut Gera am Sonntag mit ins Oberliga-Heimspiel gegen Bernburg nehmen.

Der 31 Jahre alte Carsten Weis trug beim 2:1-Erfolg in Rudolstadt erstmals die Kapitänsbinde. Der Mittelfeldspieler spricht im Interview über die Mentalität in der Wismut-Mannschaft und erklärt, warum er "Dicker" gerufen wird.


Haben Sie den Sieg in Rudolstadt mit der Mannschaft gebührend gefeiert?
Wir haben das 2:1 schon mit dem einen oder anderen Bierchen genossen. Es war ein wichtiger Sieg. Ein bisschen Glück war auch dabei. Aber wir wurden in dieser Saison auch schon abgestraft, haben zweimal fast in letzter Minute verloren. Über das Jahr gleicht sich das wahrscheinlich ohnehin aus.

Späte Niederlagen gab es gegen Bischofswerda und Brandenburg, späte Siege aber noch nicht. Ist das eine neue Qualität?
Es passt zumindest zu unserer derzeitigen Mentalität. Wir schaffen es, solch ein Spiel wie in Rudolstadt bis in die Schlussphase hinein offen zu gestalten. Und diesmal haben wir kurz vor Abpfiff einen Konter erfolgreich abgeschlossen. So etwas muss man erzwingen.

Sie haben in Rudolstadt zum ersten Mal die Kapitänsbinde getragen. Waren Sie mit der Leistung zufrieden?
Fußballerisch haben schon bessere Spiele abgeliefert. Aber was Willen und Leidenschaft betrifft, da haben wir über 90 Minuten alles gegeben. So konnten wir auch die spielerischen Defizite wettmachen. Die Truppe hat die Ausfälle dreier Stammkräfte kompensiert, hat gezeigt, dass sie lebt. Mit Raphael Börner kam ein Spieler ins Spiel, der noch nicht oft mitgewirkt hat in dieser Saison. Dass auch solch ein Spieler für die Entscheidung sorgen kann, zeugt von unserer derzeitigen Qualität.

Sechs Punkte aus drei Rückrundenspielen können sich sehen lassen, oder?
Absolut. Den Start in die zweite Halbserie haben wir uns in etwa so vorgestellt. Ich wäre auch gern ungeschlagen geblieben. Aber man darf ja nicht vergessen, unter welchen Bedingungen wir hier im Winter trainieren. Wir jammern nicht, sondern machen das Beste daraus. Der Tag der Abrechnung ist für uns immer der Sonntag, an dem wir jetzt gegen Bernburg nachlegen wollen.

Betrachtet man die Tabelle sind es auch nur sechs Punkte bis zu Platz zwei. Haben Sie das im Hinterkopf?
Dorthin schauen wir eigentlich nicht. Wir haben uns als Mannschaft ein realistisches Saisonziel gestellt. Vielleicht schaffen wir es ja am Ende auch unter die ersten sechs. Wichtig ist in erster Linie, dass wir genügend Luft zu den Abstiegsplätzen haben und unser Restprogramm ziemlich beruhigt angehen können. Wir denken von Spiel zu Spiel.

Ihre Teamkollegen rufen Sie auf dem Platz "Dicker". Warum?
Der Spitzname stammt noch aus Erfurter Zeiten. Ich bin ihn in Meuselwitz und Zwickau nie los geworden. Ich bin eben nicht der schlankeste Spieler. Für mich zählt aber die Leistung auf dem Platz. Wenn die stimmt, ist alles in Ordnung.

Sie sind im letzten Sommer nach Gera gekommen. Wie gefällt es Ihnen hier?
Mir gefällt es sehr gut. Die Mannschaft passt gut zusammen. Allerdings sind die Trainingsbedingungen nicht ganz einfach. Wir trainieren mal in Schmölln, mal in Aga, mal in Heinrichsgrün, mal im Hofwiesenpark. Jetzt hoffen wir alle auf das Stadion am Steg und dass es schnell fertig wird. Dass sich der Saisonstart mit der neu formierten Mannschaft schwierig gestalten würde, war mir von vornherein klar. Wir haben aber die Ruhe bewahrt und ab Ende Oktober mit Leistungen überzeugen können.

Am Sonntag geht es gegen Askania Bernburg. Ist der dritte Sieg in Folge fest eingeplant?
Wir spielen daheim als Achter gegen den Vierzehnten. Wir sind also auf die drei Punkte aus, keine Frage. Aber in dieser Oberliga ist alles möglich Bernburg spielt gegen den Abstieg, wird kämpfen bis zum Umfallen.

Im Hinspiel in Bernburg hat Wismut eine 2:0-Führung noch verspielt.
Ja, dort haben wir zwei Punkte verschenkt. Siebzig Minuten lang haben wir das Spiel dominiert, nichts zugelassen und dann zweimal geschlafen. Das darf uns nicht wieder passieren. Vorn bekommen wir in unserer derzeitigen Verfassung in jeder Partie drei bis fünf Chancen. Die müssen wir nutzen. Dann wird es den nächsten Dreier geben.

Jens Lohse / 18.03.17

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