„Wir müssen die Treppe langsam nach oben gehen": Wismut Gera-Trainer vor Oberliga-Saisonstart

Zum Oberligastart am Sonntag empfangen die Geraer im Stadion der Freundschaft den SV Schott Jena.

BSG Wismut Gera – hintere Reihe, v.l.: Toni Branescu, Manuel Seibt, Florian Schubert, Chris Söllner, Marco Pusch, Maximiilian Cherouny, Jonas Scherzer, Timo Slawik. Mittlere Reihe, v.l.: Präsident Volker Fiedler, Vorstand Maik Wengerodt, Vizepräsident Frank Neuhaus, Raimison Draiton dos Santos, Frank Müller, Andreas Luck, Jakub Petrik, Jonas Struß, Sebastian Dräger, Trainer Carsten Hänsel, Co-Trainer Andreas Kleiber, Physiotherapeutin Carola Conrad, Co-Trainer Andy Lippold. Vordere Reihe, v.l.: Stefan Raßmann, Raphael Börner, Philipp Katzenberger, Nils Schuchardt, Sabri Vaizov, Alexander Just, Carsten Weis, Maximilian Enkelmann, Phillip Roy.

Der 34-jährige Carsten Hänsel geht mit der BSG Wismut Gera in sein zweites Trainerjahr. Mit ihm unterhielten wir uns vor der morgigen Begegnung, wenn Schott Jena zu Gast ist (Anstoß: 14 Uhr).

Sechs Wochen Vorbereitung sind absolviert. Jetzt wird es Zeit, dass es endlich los geht.
Auf jeden Fall. Wir wären auch schon letzte Woche bereit gewesen, haben aber noch am Feinschliff gearbeitet und daran, ein paar Sachen zu automatisieren.

Wie gelingt es einem Trainer, sein Vorbereitungsprogramm immer abwechslungsreich zu gestalten?
Ich habe mit Andreas Kleiber und Andy Lippold zwei super Co-Trainer an meiner Seite. Zudem arbeiten wir mit Steffen Kern von Kernkraft Gera. Für die meisten Spieler ist die Vorbereitung eine rote Zone im Kalender. Wir haben die anstrengenden Wochen gut bewältigt. Weil wir im medizinischen Bereich nicht so professionell aufgestellt sind, muss ich mich mehr auf mein Auge verlassen.

Ist die Mannschaft bereits bei einhundert Prozent?
Ich denke noch nicht. Jedenfalls sind die Spieler fit. Die Neuzugänge sind gut integriert. Sie haben es der Mannschaft aber auch einfach gemacht. Wir haben lange geschaut, wer zu uns passt. Die Geduld scheint sich gelohnt zu haben.

Wie ordnen Sie die Zugänge der Mannschaft in Sachen Qualität ein?
Jeder der Neuzugänge hilft uns weiter. Jetzt kann ich Zehn-gegen-zehn spielen lassen und taktische Dinge ausprobieren. Auch deshalb haben wir mit Toni Branescu und den beiden A-Junioren Max Cherouny und Jonas Scherzer junge Spieler hinzugenommen.
Mit Timo Slawik, Maximilian Enkelmann und Jakub Petrik könnte gleich ein Trio in der Startelf gegen Schott stehen.
Aber auch alle anderen halten zur Stange. Wenn jemand unzufrieden ist, soll er sich ein Beispiel an Philip Roy nehmen. Der hatte nach hoher Arbeitsbelastung zu Beginn der Vorsaison nicht gespielt, war aber immer bereit. Gegen Merseburg habe ich ihn dann ins kalte Wasser geworfen, und er hat alle mit seinen Leistungen überrascht.

Die Abgänge von Dennis Blaser und Max Gehrmann waren nicht eingeplant. Sind sie zu kompensieren?
Wir sind sehr froh, dass wir es geschafft haben, innerhalb eines Jahres für Viertligisten interessant zu werden. Mit Dennis Blaser haben wir lange Zeit gute Gespräche geführt. Er hat versprochen, hier zu bleiben. Als dann aber das konkrete Angebot aus Neugersdorf kam, mussten wir ihn ziehen lassen. Mit seinen 20 Jahren will er doch in den bezahlten Fußball. Das muss unsere Philosophie werden, junge Spieler ein, zwei Jahre bei uns zu entwickeln und auf ihrem Weg nach oben zu begleiten. Wenn wir dann noch aufgrund eines gültigen Vertrags eine Ablöse bekommen, haben wir alles richtig gemacht.

In der Vorbereitung wurde nur gegen Drittligist Zwickau zweimal verloren, gegen die drei Regionalligisten aber nicht. Hat die Mannschaften einen Sprung gemacht?
Das ist offensichtlich. Gegen Regionalligisten zu spielen, liegt uns. Da können wir uns mit zwei starken Torhütern im Rücken und aus einer sicheren Abwehr heraus gut verschieben und auf Konter lauern. Wichtiger war für mich zu sehen, dass wir es jetzt auch schaffen, Landesklassisten mit fußballerischen Mitteln zu schlagen. Da waren wir immer dominant und zielstrebig, haben mit Reife und Routine agiert. Jetzt lassen wir uns nicht mehr so schnell aus dem Konzept bringen.

Plauens Trainer Nico Quade sieht Bischofswerda, Inter Leipzig, Wismut Gera und seinen VFC ganz vorn. Tun solche Komplimente gut?
Speziell im letzten Jahr haben wir uns durch unsere ehrliche Arbeit auf der Oberliga-Landkarte einen Namen gemacht. Aber die Bäume wachsen nicht in den Himmel. Ganz oben können wir noch nicht mithalten. Da wollen wir uns auch keinen unnötigen Druck machen. Vielleicht können wir wieder beste Thüringer Mannschaft werden. Doch erst einmal brauchen wir ein funktionierendes Stadion samt Umfeld und Infrastruktur. Da ist noch viel zu tun. Für Träume ist es zu früh. Auf jeden Fall wollen wir diesmal die alten Wismut-Tugenden vom ersten Spieltag an verkörpern.

Wo soll die Wismut-Elf nach Platz vier in der Vorsaison diesmal einkommen?
Wir wollen das letzte Spieljahr bestätigen. Das will ich nicht unbedingt an Punkten oder einer Platzierung festmachen. Wir wollen einen attraktiven Fußball spielen, mehr Zuschauer als in der Vorsaison ins Stadion locken. Da setzen wir dann natürlich auch auf die besondere Atmosphäre im Stadion am Steg. Wir müssen die Treppe jedenfalls langsam nach oben gehen.

Wird noch ein Angreifer geholt?
Wir haben noch fast einen Monat Zeit und sind intensiv am Beobachten des Markts. Gerade die Kaderbewegungen bei den Regionalligisten schauen wir uns genau an. Entscheidend ist, was mit Santos wird. Klappt es hier mit einer Lehrstelle und bleibt er in Deutschland, dann sind wir gut aufgestellt. Dann ist nur die Frage, ob wir mit einem oder zwei Angreifern spielen. Aber wir sind recht variabel. Selbst Marco Pusch kann ganz vorn auflaufen. Verstärken könnten wir uns dann auch noch im Winter.

Zum Auftakt geht es gegen Schott Jena, das in den beiden letzten Tests zwei 0:3-Pleiten gegen Zorbau und Eisenach kassierte. Ein dankbarer Gegner?
Wir tun gut daran, die Jenaer nicht zu unterschätzen. Schott wird fit nach Gera kommen. Jeder Oberligist kann verteidigen. Wir rechnen mit einem defensiv eingestellten Kontrahenten, müssen selbst geduldig sein, auf unsere Chancen warten und die dann verwerten. Ich bin sehr zuversichtlich.

Jens Lohse / 05.08.17


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