In Gedenken an Manfred "Manni" Kaiser

In erinnerndem Gedenken widmen wir die folgenden Zeilen unserem Manfred „Manni" Kaiser, welcher am 15. Februar des letzten Jahres in Lindau am Bodensee verstarb. Sein fußballerisches Talent, seine zielstrebige Karriere und nicht zuletzt seine unbeugsame menschliche Art machen ihn noch immer zu einem Fußballidol, das unvergessen sein wird.


Der Mittelfeldspieler wurde am 7. Januar 1929 in Zeitz geboren und begann seine Laufbahn im Alter von zehn Jahren bei der SpVgg Zeitz. Am 6. Januar 1946 gab „Manni"  bei der SG Rot-Weiß Zeitz, dem Nachfolger der Spielvereinigung, sein Debüt im Männerbereich und stieg drei Jahre später mit dem Verein in die Landesklasse auf. Schon vor Abschluss der folgenden Saison zog es Kaiser entgegen der Flussrichtung der Weißen Elster gen Süden, sodass er sich ab dem 19. Februar 1950 der BSG Gera-Süd anschloss, um in der neu gegründeten Oberliga, der damals höchsten Spielklasse, spielen zu können.

Nach anfänglichen Schwierigkeiten angesichts des intensiveren Trainings in der Reußenstadt, schaffte er es durch seine Schnelligkeit und die brillante Technik zum Stammspieler auf der Rechtsaußen-Position. Kaiser absolvierte 32 Spiele und erzielte dabei sieben Treffer. Ähnlich der aktuellen Tabelle der NOFV-Oberliga Süd reichte es mit Gera aber nie zu vorderen Platzierungen. In der Saison 1951/52 wurde nur der 14. Rang in der Abschlusstabelle erreicht, was nahezu uninteressant erscheint, um es zu erwähnen, jedoch müssen die Zuschauerausschreitungen gegen den Schiedsrichter an der Elster gegen Wismut (Karl Marx Stadt) Aue in dieser Saison umso legendärer gewesen sein, wie manch Großvater schelmisch lachend bestätigen kann. Nach der Platzsperre erfolgte im vierten Jahr Oberliga der Gersche Abstieg. Nach einer suboptimal verlaufenen „staatlichen Delegierung" zum rivalisierten Verein am Thüringer Saalestrand spielte Kaiser ab März 1953 wieder für Gera, wo der Abstieg nicht verhindert werden konnte. Im Januar 1955 erfolgte die nächste Delegierung zusammen mit Bringfried Müller und Horst Freitag zum SC Wismut Karl-Marx-Stadt nach Aue. Vorausgegangen war die beharrliche Bearbeitung von Seiten der Funktionäre. Jedoch blieb „Manni" Kaiser wohnhaft ein Geraer und nahm die Fahrten zum Training und den Spielen in das Erzgebirge, wie ein moderner Berufspendler, auf sich.

Mit dem SC Wismut errang Kaiser zunächst die DDR-Vizemeisterschaft am 19. Juni 1955 in Leipzig und durch ein sehenswertes Kaiser-Tor gegen den SC Empor Rostock den FDGB-Pokal. Ab 1957 erlebte „Manni" die sportlichen Herausforderungen im Europapokal der Landesmeister. Mit Aue spielte er unter anderem gegen Warschau, Ajax Amsterdam, Young Boys Bern, IFK Göteborg und Rapid Wien und bestritt alle 16 Spiele im Europa-Cup der Meister für die Mannschaft aus dem Lößnitztal.

Sein letztes Oberliga-Spiel war das Heimspiel am 30. Mai 1965 gegen Lokomotive Stendal. Nach 349 Spielen und 36 Toren beendete er seine Karriere in der DDR-Oberliga, absolvierte als genialer Mittelfeldspieler insgesamt 31 Länderspiele und unterstrich hiermit erneut die Wahl zum „ersten Fußballer des Jahres" der DDR 1963. Die Schnelligkeit, Technik, das taktische Verhalten, frühzeitige Erkennen der Spielsituation sowie sein Direktspiel machte er bis dahin zu seinen Markenzeichen.

Nachdem Kaiser, wie damals üblich, bereits in seiner aktiven Laufbahn zum Industriekaufmann ausgebildet worden war, absolvierte er noch als Spieler von 1961 bis 1965 bei der Leipziger Sporthochschule DHfK ein Trainerstudium. So konnte er nach seiner aktiven Zeit mit Beginn der Saison 1965/66 bis 1971 als Trainer bei Wismut Gera arbeiten. Es folgten Stationen als Assistenztrainer beim FC Rot-Weiß Erfurt und als Trainer bei der BSG Chemie Zeitz, Motor Hermsdorf, Chemie Bad Köstritz und in der Wendezeit bei Stahl/SV Elstertal Silbitz. Eine gewisse Verbundenheit zur Heimat lässt sich hier kaum leugnen.

Manfred Kaiser wurde nach fast 60-jähriger Ehe, zwei Jahre vor seinem Tod, Witwer. Damals noch in Gera lebend, kümmerte er sich aufopferungsvoll um seine erkrankte Frau und stellte persönlich mahnend und lebenserfahren des öfteren klar, dass Fußball ein essentieller Bestandteil des Lebens, aber, in Anspielung auf die Gesundheit, bei Weitem nicht das Wichtigste sei. In seinen letzten Lebensjahren lebte Kaiser bei seinem Sohn im Allgäu.

Sein letztes großes Spiel hat er verloren. Am 15. Februar des letzten Jahres verstarb „Manni" mit 88 Jahren nach langer schwerer Krankheit in einem Pflegeheim in Lindau am Bodensee. Unvergessen bleibt seine Verbundenheit in Treue mit der Heimat, nicht nur im geografischen Sinne. Vielmehr präsentierte sich auch ein betagter und verdienter Sportler bei vielen kleinen Veranstaltungen lokaler Vereine, wie z.B. dem regelmäßigen Ehemaligen-Treffen in Zeitz oder vielen Vereinsfeiern von Sportgemeinschaften, mit denen er seine Lebenszeit teilte. Er besuchte sehr oft die Spiele unserer Wismut und besonders in den vier schweren Bezirksligajahren hielt er dem Verein die Treue. So kann man ohne, die sonst übliche, Gersche Übertreibung zusammenfassen, dass „Manni" Kaiser einer der größten und gefragtesten Fußballer war, welche jemals in den Farben unserer Wismut gespielt haben.

In diesem ursprünglich bergmännischen Sinne wünschen wir „Manni" Glück, sodass er einen neuen Gang auftun möge oder das kurz gefasste „Glück Auf Manni"!

Jacob Schrötter

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